Scrim – ein agiles Framework für Innovationsarbeit

In diesem Post

Wir möchten Dir Scrim vorstellen – ein agiles Framework das hilft Innovationsarbeit zu strukturieren. Es kann in der Umsetzung von Produkt-, Service- und Prozess-Innovationen von Teams, egal ob Start-up, KMU oder Konzern, eingesetzt werden. Durch den Einsatz von Scrim wird validiertes Lernen fest im Zentrum des Innovationsprozesses verankert.

Wir lieben Scrum. Schon seit unserer Gründung arbeiten wir bei Grubengold agil. Doch da Scrum für Software-Entwickler:innen erfunden wurde, genügt es nicht allen Anforderungen von uns Innovator:innen: Deshalb haben wir Scrim entwickelt. Was das ist und warum wir uns Scrim ausgedacht haben, erklären wir Dir in diesem Artikel.

Scrim baut wesentlich auf Scrum auf und erweitert es. Wenn Du vorher noch etwas Nachhilfe in Scrum brauchst, ruf uns ruhig an – wir reden gerne über Scrum, Scrim oder den VFL.

Wie Scrim bei der Innovationsarbeit hilft

Fokus

Scrim hilft Dir und Deinem Team, den Fokus auf dem wesentlichen Aspekt eurer Innovationsarbeit zu behalten: dem Lernen. Da ihr stetig dazu lernt und neue, valide Erkenntnisse sammelt, trefft ihr bessere Entscheidungen, wenn es um die Gestaltung eurer Produkt-, Service- oder Prozess-Innovation geht.

Dieser Ansatz nennt sich validiertes Lernen (kennst Du bestimmt von Eric Ries): Dabei überprüfen Du und Dein Team empirisch eure Hypothesen zu euren Geschäftsaussichten. Eure Hauptaufgabe ist es dabei, immer wieder kritische und relevante Fragen und Hypothesen zu entwickeln. Scrim hilft dabei den Fokus auf das Lernen nicht zu verlieren, da ihr regelmäßig auf der Lern-Ebene eure aktuelle Ausrichtung diskutiert.

Transparenz

Scrim schafft enorm viel Transparenz. Und das mögen wir. Mit Scrim holst Du sie alle ab: Dein Team, Deine Kund:innen, andere Abteilungen oder das Management (wenn Du ein Start-up bist, Deine Investoren). So weiß jeder und jede, welche Lernziele und Aktivitäten gerade anstehen, welche Erkenntnisse es schon gibt und welche Entscheidungen bereits gefallen sind.

Damit alle Beteiligten den Überblick behalten, nutzt ihr als zentrales Tool ein Scrim Board.

Daran könnt ihr, neben der aus Scrum bekannten Aktivitätsplanung, auf einen Blick erkennen, an welchen Lernzielen ihr momentan arbeitet.

Steuer- und Massbarkeit

Es gibt schlechte Ideen, und sogar richtig schlechte Ideen. Aber keine Sorge: Deine Innovation ist bestimmt ganz bezaubernd. Trotzdem ist es gut sich einzugestehen, dass nicht jede Idee das Zeug dazu hat, ein reales Geschäftsmodell zu werden. Wenn Du den Erfolg Deiner Innovationsarbeit messen willst, schau also lieber auf die gewonnenen Erkenntnisse und nicht darauf, ob Du Deine Idee nachher genau so umsetzt – oder eben nicht.

Der Kern Deiner Arbeit ist es, mehr zu lernen: über Dein Produkt, Deine Hypothesen und vielleicht auch über Dich. Dank Scrim erkennst Du schnell, ob Du in die falsche Richtung denkst. Denn Scrim hilft Dir, wie die Tauben Aschenputtel geholfen haben: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Gönne nur wirklich wirklich guten Ideen Deine Zeit und Deinen Fokus.

Um euren Fortschritt zu besprechen, trefft ihr euch im Team zu einem Lern-Meeting. Dabei werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengetragen, deren Auswirkung auf das Konzept an dem ihr Arbeitet diskutiert und entschieden in welche Richtung weitergelernt werden soll.

Dokumentation

Innovationsarbeit bringt meist auch Fleißarbeit mit sich: Wenn Du mit Scrim arbeitest, dokumentierst Du alle Fortschritte und Entwicklungen Deines Projekts automatisch im Scrim Board. Neigst Du zu aufwendigen und kleinteiligen Dokumentation, durch deren zahlreiche Seiten sich vermutlich niemand freiwillig wühlen möchte? Oder bist Du eher der Typ für schlanke Dokus, die so kurz und knackig sind, dass sie kaum etwas aussagen? Mit Scrim triffst Du genau den Sweetspot dazwischen – und schreibst die optimale Dokumentation.

Mit Scrim verwandelst Du Hypothesen und Fragen strukturiert in Erkenntnisse um. So entsteht automatisch eine Dokumentation Deiner Innovationsarbeit. Kein Gedanke geht verloren – und Du kannst die Ergebnisse auch für andere Projekte nutzen.

Standardisierbarkeit

Kreativität und Spielen sind das Herz des Innovationsprozesses. Vieles, was Dich davon ablenkt und Aufgaben, die immer wieder anfallen, kannst Du standardisieren. So gestaltest Du den Innovationsprozess effizient und planbar – und gönnst Dir mehr Zeit für den kreativen Freistil. Um Dir den Start und die Planung zu erleichtern, können Innovator:innen wie Du sich ein hübsches Bündel aus solchen Standards schnüren: Die Innovation-Standard-Aktivitäten, oder kurz ISAs, umfassen Aktivitäten die immer wieder in der Innovationsprojekten gebraucht werden: vom Projekt-Setup bis zum Landingpage-Test. Zum Beispiel steht ihr im Scrim-Prozess vor der Frage ob Hundebesitzer ihren Vierbeiner überhaupt dem von euch entwickelten Roboter anvertrauen würden; um diese Frage zu beantworten zieht ihr dann die beiden ISAs “Online Umfrage” und “Tiefeninterview” aus dem Ärmel.

Zu jeder ISA gehören:

  • User Story: Darin ist beschrieben wer was mit dieser ISA erreichen möchte, z.B. möchte eine Venture Developerin mithilfe eines Tiefeninterviews mit Zielgruppenvertreter:innen Aspekte in Erfahrung bringen an die ihr bislang nicht gedacht habt.
  • Akzeptanzkriterien: Sie dienen dazu eine ISA korrekt durchzuführen und nichts zu vergessen – ähnlich einer Checkliste.
  • Startvoraussetzungen: Was brauchst Du, um Deine ISA durchführen zu können? Beispielsweise benötigst Du die zu überprüfenden Hypothesen und musst Deine Zielgruppe kennen, bevor Du eine Online-Umfrage starten kannst.
  • Methoden und Materialien: Jede ISA ermöglicht Dir schnellen Zugriff auf die Methoden und Materialien die Du brauchst um sie durchzuführen; z.B. Agendas oder PowerPoint-Templates.
  • Aufwand: Wie viel Zeit musst Du für die Durchführung der ISA einplanen? Wie viele Personen sind beteiligt? Dieser Punkt ist für die Planung des Sprints besonders hilfreich.

Und unser Satz an ISAs wächst ständig. Mehr zu ISAs folgt in einem kommenden Blog-Post.

Wie Scrim funktioniert

Scrim ist eine Anpassung von Scrum, daher wirst Du viele Elemente wiedererkennen und wir werden Scrum-Grundlagen nicht detailliert erläutern.

Der Scrim Prozess

Wer agil ist, bleibt immer in Bewegung, ist voller Energie und denkt flink – gerne auch jenseits der ausgetretenen Pfade. Wie Du und Dein Denken können auch Prozesse agil sein. Wer seine Aktivitäten agil plant und durchführt, bleibt geschmeidig. Eine Hürde taucht auf? Kein Problem, Dir fällt schon etwas ein. Auch wenn eine Hypothese sich als völliger Humbug herausstellt: Wer agil arbeitet, bleibt entspannt – und findet einen neuen Weg.

Scrim erweitert die agile Planung von Aktivitäten, die Du von Scrum kennst, um eine Ebene des validierten Lernens, welches auch agil geplant wird. Dadurch verändert und verästelt sich Dein Projekt mit Deinem erzielten Lernfortschritt. Mit jedem Sprint weißt du mehr und kannst Dir neue Lernziele stecken. Der Vorteil: Auf diese Weise plant ihr auf einer abstrakten Lernebene – und schaut euch die Details separat an, wenn ihr in konkrete Aktivitäten eintaucht.

Dadurch entsteht der Kreislauf, den Du auch oben in der Grafik siehst.

Im Scrim-Prozess gibt es eine Lern-Ebene und eine Aktivitäten-Ebene. Schauen wir uns diese doch mal genauer an:

  • Aktivitäten: Innovation heißt immer auch: Anpacken, loslegen. Machen! Deshalb besteht der Innovationszyklus zur einen Hälfte aus konkreten Aktivitäten. Dafür könnt ihr im Team die ISAs nutzen. Aktivitäten umfassen sowohl die Arbeit an eurer Idee, als auch alles was ihr macht um dazu zu lernen, wie zum Beispiel das Business Model Canvas ausfüllen, Markt-Recherchen oder das Bauen von zu vertestenden Prototypen.
  • Validiertes Lernen: Die andere Hälfte des Zyklus besteht aus Nachdenken: Erst stellt ihr im Team Fragen und Hypothesen auf und priorisiert sie. Später leitet ihr aus den Ergebnissen der Aktivitäten Erkenntnisse ab.

 

Und so läuft der Innovationszyklus ab:

  1. Idee und Konzept: Im ersten Durchgang habt ihr eine Idee, feilt sie etwas aus und schafft ein erstes Konzept. Das kann ein Business Model Canvas sein, ein grobes Geschäftsmodells oder ein fertiger Prototyp. Im zweiten, dritten oder hundertsten Durchlauf des Zyklus verfeinert ihr die Idee und das Konzept immer weiter – und lasst das einfließen, was ihr aus den anderen Phasen gelernt habt.
  2. Fragen und Hypothesen: Wie soll unser Produkt aussehen, damit es unseren Kund:innen wirklich etwas bringt? Ist es ökonomisch rentabel, ökonomisch vertretbar und welchen Impact hat es auf die Welt? Ziel des Scrim-Prozesses ist es, dass ihr die Unsicherheit verliert, die aus Fragen wie diesen nur so hervor sprudelt. Haltet deshalb im zweiten Schritt möglichst konkret fest, was ihr in der aktuellen Projektphase herausfinden wollt. Dafür tragt ihr Hypothesen und Fragen im Lern Board ein.
  3. Analysen und Kundentests: In diesem Schritt beantwortet ihr die Fragen und überprüft die Hypothesen, die ihr zuvor aufgestellt habt. Alle Erkenntnisse, die ihr daraus zieht, haltet ihr im Lern Board in der Erkenntnis-Spalte fest. In dieser Phase des Scrim-Prozesses helfen euch die ISAs effizient zu sein.
  4. Erkenntnisse: Anfangs habt ihr euch gefragt, ob Mallorca-Urlauber euren Roboter brauchen, der mit ihrem Hund Gassi geht. In euren Befragungen habt ihr gemerkt: Ja, die Menschen würden eurem Roboter vertrauen – aber er muss TÜV-geprüft sein. Diese Erkenntnis bringt euch ein ganzes Stück weiter. Und auch wenn eine eurer Hypothesen floppt, hilft euch das weiter: Denn dann könnt ihr euer Konzept verbessern. Haltet deshalb alle Erkenntnisse im Lern Board fest.

Eure Erkenntnisse und Entscheidungen helfen euch dabei, euer ursprüngliches Konzept nochmal unter die Lupe zu nehmen und weiterzuentwickeln. Dann beginnt der Zyklus wieder von vorne. Das ist Upcycling für Innovations-Profis.

Das Scrim Board

Jetzt räumen wir auf: Mit dem Scrim-Board sorgst Du für Ordnung und Klarheit. Das Scrim-Board ist ein handelsübliches Kanban-Board mit einem schickeren Namen. Das Board teilt sich in zwei Hälften: Links siehst du das Lern-Board. Dort geht es um validiertes Lernen – also zu klärende Fragen und Hypothesen sowie die gewonnenen Erkenntnisse. Rechts ist das Aktivitäten-Board, in dem konkrete Aktivitäten darauf warten aus dem Backlog in die Umsetzung gezogen zu werden.

Die Karten wandern wie Du es von Scrum kennst durch ihr jeweiliges Board, aber nicht aus dem Lern- ins Aktivitäten-Board oder umgekehrt. Da sie aber eng zusammenhängen (Aktivitäten werden ausgeführt um Fragen und Hypothesen in Erkenntnisse umzuwandeln) bietet es sich an mit Verweisen innerhalb der Karten zu arbeiten, so referenziert zum Beispiel die Onlineumfrage alle Hypothesen zu deren Validierung sie umgesetzt wird.

Während es sich bei dem Aktivitäten Board um ein handelsübliches Kanban Board zum Organisieren der Aktivitäten handelt, besteht das Lern Board aus:

  • Fragen & Hypothesen: Die richtigen Fragen zu stellen ist die wichtigste Fähigkeit in Innovationsprozessen. Wie kann ich Unsicherheiten minimieren und so die Chance auf eine erfolgreiche Entwicklung maximieren?
    • Icebox: Hier sammeln sich – Überraschung – alle Fragen, auf die ihr im Rahmen eures Projekts Antworten sucht. Auch Hypothesen, die ihr im Laufe des Prozesses überprüfen möchtet, könnt ihr hier sammeln. Die Icebox eignet sich als Braindump, da einem immer mal wieder zu klärende Fragen in den Sinn kommen und ihr sicherstellen könnt, dass ihr diese nicht wieder vergesst.
    • Backlog: In dieser Spalte haltet ihr alle Fragen und Hypothesen fest, an denen ihr gerade arbeitet. Dies sollten immer die aktuell kritischsten Fragen sein. Ich brauche mir keine Gedanken über die Farbe eines Buttons zumachen, wenn ich noch nicht sicher bin, dass eine Zielgruppe besteht die das Geschäftsmodell tragen kann. Durch die Priorisierung der Fragen & Hypothesen wird die aktuelle Laufrichtung eures Projekts gesteuert.
  • Erkenntnisse & Axiome: Diese Spalte ist Gold wert, denn hier staut sich das Wissen. Alles, was ihr herausfindet, könnt ihr hier festhalten. Die Erkenntnisse helfen euch, euer Konzept optimal weiterzuentwickeln und Entscheidungen zu begründen, außerdem dokumentieren sie die eigentliche Performance eures Teams. Axiome sind nicht bewiesene Annahmen auf die das Team dennoch vertraut. Manchmal muss man als Team oder Unternehmen Wetten eingehen – hätten Leute in einer Befragung gesagt, dass sie ein Handy ohne Tasten wollen? Steve Jobs hat an dieser Stelle ein Axiom gesetzt… und zwar kein schlechtes!

Kopiere dir gerne dieses Scrim-Template für Trello das wir für Dich gebastelt haben.

So planst Du dein Projekt mit Scrim

Scrum hat viel Schönes in unser Arbeitsleben gebracht: Sprints, Reviews und Plannings. Wir sind Fans! Darauf setzt Scrim auf und erweitert es um ein Lern-Meeting:

  • Aktivitäten-Planung: Hier planst Du mit Deinem Team, welche Aktivitäten ihr im nächsten Sprint durchführen möchtet, um die aktuell relevanten Fragen und Hypothesen zu beantworten.
  • Aktivitäten-Review: Ihr trefft euch live oder virtuell, um über die durchgeführten Aktivitäten zu sprechen: Wie weit seid ihr im Sprint gekommen? Gab es Hindernisse? Was fehlt noch?
  • Lern-Meeting: Ihr tauscht euch darüber aus, was ihr im Sprint gelernt habt. Welche Erkenntnisse konntet ihr gewinnen? Gemeinsam bewertet ihr systematisch euren Lernfortschritt und welchen Einfluss die neuen Erkenntnisse auf euer Konzept haben. Danach plant ihr, was ihr als nächstes herausfinden wollt.

Das Lern-Meeting findet in unterschiedlichen Teilnehmer:innen-Konstellationen und Umfängen statt: Mal treffen sich nur Team-Interne, mal wird mit den Manager:innen die strategische Lernrichtung des Projekts diskutiert, oder Menschen aus anderen Abteilungen, die eure Innovation später vielleicht einsetzen oder vertreiben möchten, bekommen Einblicke in euren Fortschritt.

Scrim Prozess

Dich überzeugt Scrim? Dann kann's ja losgehen!

Sprich uns an wenn Du Scrim in Deinem Projekt einsetzen möchtest oder benutze unser Scrim-Template in Trello. Mehr Infos zum Board, zu den ISAs, den Rollen im Scrim-Prozess und der Gestaltung der Lern-Meetings stellen wir Dir in den nächsten Blog-Posts vor. Abonniere unseren Newsletter (unten auf dieser Seite) und bleib auf dem Laufenden.

Unsere Experten freuen sich auf Dein Feedback

Matthias Hoffmann

Company DNA | Venture Development

Matthias schreibt über Kultur im Startup, Innovation und alles andere 😉

Jan Nierhoff

 

Venture Development | Technology

Jan schreibt über Innovations-Prozesse, Methoden und Tools

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