Exponentielles Wachstum: Wie Innovationen wachsen

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Bevor Du Deine Produkte in die Zukunft katapultierst, lass uns kurz in die Vergangenheit abtauchen. Genauer: Ins antike Indien. Damals war Schach das neueste Spiel, dass die analoge Gamer-Szene in Aufruhr versetzte. Auch der König Sher Khan zockte das neue Game, wann immer seine Regierungsgeschäfte ihm die Zeit dazu ließen. Bald wollte er den Erfinder des Spiels, ein Brahmane namens Sissa ibn Dahir, kennenlernen – und ihm für seine Erfindung danken.

Ein paar Reiskörnchen zur Belohnung

Als der Brahmane am Hof eintraf, sagte ihm der König: “Ich möchte Dir danken. Sag nur, was Du haben möchtest, egal was, und ich erfülle es Dir.” Sissa ibn Dahir schwieg und dachte nach. Dann antwortete er: “Ich möchte Reis. Ein Korn auf dem ersten Quadrat, auf dem zweiten Feld, vier auf dem dritten, acht auf dem vierten…” Der König unterbrach ihn: “Du willst einfachen Reis?!” Der Herrscher war beleidigt, schließlich wollte er mit seinem großzügigen Geschenk auch etwas protzen und seinen Reichtum unterstreichen. “Dein Wunsch ist meine Großzügigkeit nicht wert!”, rief der König beleidigt.

Seine Begeisterung für den klugen Spiel-Erfinder war verraucht. “Geh nur. Meine Diener werden Dir Deinen Reis bringen”, sagte der König und glaubte, dass sich die Sache mit einem Säckchen Reis erledigen würde. Doch da hätte der König wohl im Mathe-Unterricht besser aufpassen sollen.

Deutschland ertrinkt in Reis

Als der König seine Dienerschaft fragte, ob der Brahmane seine Belohnung bekommen habe, trat der Hofmathematiker hervor und stammelte nervös: “Wir haben seit heute Morgen die Anzahl der Reiskörner berechnet…” “Ja, und?”, erwiderte der König ungeduldig. “Ich bin reich, meine Getreidespeicher sind randvoll.” Was daraufhin mit dem Mathematiker oder dem König passiert ist, ist nicht überliefert. Doch dass die Bitte um einfachen Reis echt clever war, können wir noch heute nachrechnen. 

Denn auf den 64 Felder des Schachbretts kommt einiges zusammen: Allein auf Feld 45 müssten bereits über 35 Billionen Körner liegen, auf Feld 51 deutlich mehr als zwei Billiarden. Würden wir den Reishaufen von Feld 54 über die 365 Meter des Berliner Fernsehturms schütten, dann würde er darunter völlig verschwinden. Und mit den Reiskörnern von Feld 64 könnten wir ganz Deutschland einen Meter hoch mit getrockneten Reis bedeckt.

Exponentielles Wachstum für Reisliebhaber:innen

Allein auf das letzte Feld müsste der König 18.446.744.073.709.551.615 Körner legen – 
18 Trillionen, 446 Billiarden, 744 Billionen, 73 Milliarden, 709 Millionen, 551 Tausend, 615. Davon hätte Sissa ibn Dahir lange essen können. Und die Moral von der Geschicht’: Das exponentielle Wachstum unterschätze nicht. Oder du stehst womöglich plötzlich bis zur Hüfte in Reiskörnern. 

Das exponentielle Wachstum und Moore’s Law

Doch das exponentielle Wachstum macht nicht etwa auf dem Schachbrett Halt: Auch die Datennutzung und Speicherkapazität entwickelt sich exponentiell weiter. Das Ganze nennt sich das Mooresche Gesetz, oder wie die coolen Kids sagen: Moore’s law. Schon 1965 prognostizierte der Intel-Mitgründer Gordon Moore, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise mit minimalen Komponenten-Kosten regelmäßig verdoppelt. Das heißt konkret: Technische Geräte werden in regelmäßigen Schritten immer kleiner und zugleich immer leistungsfähiger und kostengünstiger. 

Moore selbst sagte dazu, dass für die Leistung eines Smartphones in den 1970ern noch eine ganze Serverfarm nötig gewesen wäre. Doch die Bauteile wurden immer kleiner, leistungsfähiger und meist auch günstiger in der Herstellung. 2010 bekam man für einen US-Dollar einen Prozessor mit der kognitiven Leistung einer Maus. 2023 bekämen wir nach Moore’s Law schon die Leistung eines menschlichen Gehirns und 2050 die der ganzen Menschheit.

Exponentielles Wachstum in der Energiebranche

Längst gehören Laptops, Smartphones und Tablets zur Grundausstattung vieler westlicher Büros, Wohnungen und Hosentaschen. Und die Entwicklung schreitet immer weiter voran. Das verändert uns, wie wir leben, wie wir arbeiten und wie wir Energie herstellen und nutzen.

So ist beispielsweise der Energiebedarf für die Internetnutzung in den letzten 23 Jahren exponentiell gestiegen: Allein an den Hauptknotenpunkten des Internet stieg der Stromverbrauch jährlich um 16 bis 23 Prozent. Wissenschaftler:innen schätzen, dass diese Server-Farmen rund 180 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen. 

Doch nicht nur der Verbrauch steigt – auch die Effizienz: Auch Solarenergie durchläuft eine disruptive, exponentielle Entwicklung. Dadurch ist die Solarenergie in der Kombination mit Windkraftanlagen und entsprechenden Speichern mittlerweile in der Lage sind, Kohle- und Gaskraftwerke vollständig zu ersetzen. Und das Exponentielle und Disruptive daran? Die Preise für Photovoltaik- und Solarmodule sinken rapide. 1977 mussten fortschrittliche Energiegewinner:innen noch 77 US-Dollar für ein Solarmodule mit einer Leistung von einem Watt hinblättern. 2017 waren es nur noch 30 Cent.

Exponentielles Wachstum für eine glücklichere Welt

Und die Entwicklung geht immer weiter. Schon bald gehen sogenannte Silizium-Perowskit-Tandemzellen in die Serienproduktion – und mit ihnen wird eine disruptive Solarzellentechnologie den Markt revolutionieren. Sie kombinieren eine Silizium-Zelle mit einer Perowskit-Zelle so effizient, dass die daraus hergestellte Tandem-Zelle bald einen Wirkungsgrad von über 30 Prozent erreichen könnte. Das Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) treibt derzeit eine Fertigungsanlage für die kommerzielle Fertigung voran. 

Und das Schöne an dieser Entwicklung? Durch die disruptive Entwicklung im Solar-Sektor wird nachhaltige Energie immer attraktiver. Zudem haben gerade die Menschen einen Vorteil, die aktuell im globalen Vergleich oft hinten anstehen müssen: Denn gerade in den ärmsten Ländern der Welt lässt sich Sonnenenergie besonders gut gewinnen. So schafft das exponentielle Wachstum eine glücklichere Zukunft für uns, für den Planeten – und sorgt für ordentlich Reis auf dem Schachbrett.

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MATTHIAS HOFFMANN

Company DNA | Happiness | Venture Development

Matthias entwickelt Konzepte über Führung, Unternehmenskultur, Innnovationsprozesse und noch einiges mehr.

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